Adoption – was trägt zum Gelingen, was zum Misslingen bei?

 

Prof. Dr. Franz Ruppert, Kath. Stiftungsfachhochschule München

 

1 Adoption – Chance oder Risikofaktor?

 

Im alten wie im neuen Testament spielen Kinder, die ohne leibliche Eltern aufwachsen, eine entscheidende Rolle: Moses, der die Stämme Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft in das Gelobte Land führte, war ein Findelkind. Jesus wurde von seinem Stiefvater Joseph an Kindes statt angenommen, obwohl Joseph wusste, dass Jesus nicht sein eigenes Kind sein konnte und er nicht sein Vater war. Adoptierte tragen daher auch heute noch häufig den Namen Moses, Adoptionsvermittlungen bieten unter diesem Namen ihre Hilfen an.

 Pflege- und Adoptionsvermittlung sind klassische Aufgabenfelder der Sozialen Arbeit. Um dort professionell tätig sein zu können, braucht man nicht nur gute juristische Kenntnisse, psychologisches Grundlagenwissen wie Einfühlungsvermögen in die Schicksale von Familien und Familienangehörigen sind unabdingbar, um die Chancen wie Risiken einer Adoption richtig einschätzen zu können.

Nach einer von Lifton (1982) in den USA durchgeführten Studie werden adoptierte Kinder und Jugendliche häufiger in psychiatrischen und therapeutischen Einrichtungen behandelt als es ihrem prozentualen Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. In der deutschen Studie von Knoll und Rehn (1985) wird die psychosoziale Integration von Adoptierten im Normalfall als gut bezeichnet. Jedoch gaben auch 40% der 53 befragten jugendlichen Adoptierten an, sich durch die Tatsache ihrer Adoption mehr oder weniger belastet zu fühlen. Das Selbstkonzept dieser Jugendlichen war besonders negativ gefärbt.

Erfahrungsberichte Adoptierter (z.B. Schärer, 1991, Swientek, 1993) und Fallschilderungen im Kontext von Psychotherapien machen auf die besonderen Probleme aufmerksam, die Adoptierte mit ihrer Entwicklung haben. In Einzelfällen – auch in meiner eigenen psychotherapeutischen Praxis - zeigen sich deutliche Zusammenhänge zwischen dem Drogenkonsum oder der Delinquenz Jugendlicher bzw. junger Erwachsener und den besonderen Umständen ihrer Adoption. Aktuell beschäftigt z.B. der Fall des mehrfachen Mörders und Vergewaltigers Dieter Zurwehme die Gerichte und die Öffentlichkeit. Dieter Zurwehme wurde kurz nach seiner Geburt von Pflegeeltern aufgenommen und später adoptiert. Die Adoptiveltern hatten ihm die Aufklärung über seine Adoption und Auskünfte über seine leiblichen Eltern verwehrt (siehe dazu auch Kasten 1).

Bedeutet dies also, dass eine Adoption nicht nur eine Chance darstellt, damit ein Kind, das von seinen Eltern nicht gewollt wird, in einer intakten Familie aufwachsen kann? Stellen Adoptionen häufig auch einen Risikofaktor dar für die Entwicklung bei Adoptierten? Sind Adoptionen ein Trauma für die betroffenen Kinder? Welche Bedingungen tragen im Allgemeinen zu einer gelungenen, welche zu einer misslingenden Adoption bei? Welche Einsichten bieten dazu die individuumsbezogenen und welche die systemischen Richtungen innerhalb der Psychologie?

 

2 Was ist eine Adoption?

 

Das juristische Faktum.- Adoption (lateinisch: adoptare) heißt im Wortsinne "sich etwas hinzuwünschen". Mit dem Begriff Adoption wird juristisch das Faktum bezeichnet, dass eine Person von jemand, der nicht seine Eltern ist, als Kind angenommen wird, als wäre es deren eigenes. Ein bestehendes Verwandtschaftsverhältnis zwischen den leiblichen Eltern und dem Kind wird dazu vollkommen aufgelöst und ein neues Verwandtschaftsverhältnis zwischen den sozialen Eltern und dem Kind wird rechtlich besiegelt.

Die rechtlichen Grundlagen einer Adoption werden durch die §§ 1741-1772 des BGB geregelt, sie werden an dieser Stelle nicht näher dargestellt. Sie sind etwa bei Hoksbergen und Textor (1993) nachzulesen. Textor (1996) diskutiert die Konsequenzen der Gesetzesreform von 1976. Kernpunkt dieser Reform war, dass das einzige Ziel der Adoption darin liegen soll, Kindern Eltern zu verschaffen. Vornehmlich diesem Zweck soll auch das Adoptionsvermittlungsgesetz von 1977 dienen.

(www.moses-online.org /Infodienste/Dokumente/Textor/adoptionsreform.htm)

 

Der soziale Prozess.- In Deutschland wurden 1994 7.142 Adoptionen vollzogen. Bei rund 40% handelt es sich um "echte" Adoptionen ("Fremdadoptionen"), beim Rest um Adoptionen, bei denen verwandtschaftliche Beziehungen eine Rolle spielen, also z.B. Stiefkindadoptionen. Die Anzahl der Adoptionen sinkt seit einigen Jahren, sie liegt derzeit bei ca. 6.000. (aktuelle Zahlen und differenzierte statistische Betrachtungen sind unter www.moses.online.org zu finden). Als Gründe für den Rückgang von Adoptionen können vermutet werden: eine effektivere Schwangerschaftsverhütung, höhere Akzeptanz nicht-ehelicher Kinder, bessere Hilfen für Mütter in Problemlagen.

Eine systemische Betrachtung von Adoptionen lässt diese als einen sozialen Prozess begreifen, an dem im Kern drei Personen(gruppen) und eine Institution beteiligt sind:

    - die abgebenden ("biologischen", "leiblichen") Eltern,

    - die aufnehmenden ("sozialen") Eltern,

    - das adoptierte Kind,

    - die Adoptionsvermittlungsstellen, in denen Fachkräfte mit einer speziellen Ausbildung als Vermittler tätig sind.

Um die Beziehungen dieser verschiedenen Systembeteiligten zueinander zu veranschaulichen, habe ich die Adoptionspyramide als Darstellungsform gewählt: Biologische, soziale Eltern und adoptiertes Kind stehen zueinander in jeweils spezifischen sozialen Bezügen und haben auch zur Vermittlungsstelle ein jeweils eigenes Verhältnis. Dieses Beziehungsgebilde steht auf einem gesellschaftlich-kulturellen Hintergrund, der neben den rechtlichen Regelungen die nicht juristisch kodifizierten, dennoch verhaltenswirksamen Regeln enthält (z.B. soziale Normen und Legitimationsgründe, Moralvorstellungen und Tabus).

Die näheren Umstände und besonderen Bedingungen einer Adoption können sehr unterschiedlich sein:

    - das Kind wird von seinen biologischen Eltern bereits einige Wochen nach der Geburt (einzuhalten ist eine 8 Wochenfrist) zur Adoption freigegeben;

    - das Kind lebte bereits mehrer Jahre bei der Mutter, bevor es abgegeben wurde;

    - das Kind hat vor der Adoption Monate oder Jahre in Kinderheimen oder bei Pflegefamilien verbracht;

    - Stiefvater/mutter adoptieren das Kind nach dem Tod eines Elternteils oder der Wiederverheiratung oder der Scheidung des anderen;

    - Eltern und Kinder stammen aus verschiedenen Nationen oder ethnischen Gruppen;

    - das adoptierte Kind ist in unterschiedlichem Maße geistig oder körperlich behindert oder zeigt deutliche Verhaltensstörungen.

 

All diese Sonderbedingungen bringen Sonderprobleme mit sich, die in diesem Skriptum nicht alle betrachtet werden können. Als Literatur zum Thema Stiefkindadoptionen sind z.B. Deutsches Jugendinstitut (1993) zu nennen, zum Thema Auslandsadoptionen etwa Wacker (1991), Marx (1993) oder Textor (1993).

(www.moses-online.org /Infodienste/Dokumente/Textor/auslandsadoption.htm)

 

 

Abbildung 1: Adoptionen als sozialer Prozess - die Adoptionspyramide

 

 

3 Skizzierung möglicher Probleme im Adoptionsprozess

3.1 Konflikte in Bezug auf die biologische Familie

3.1.1 Verhältnis der leibliche Eltern zu ihrem Kind

Adoptionen scheinen im Idealfall ein problemloser Vorgang:

    - Hier Eltern, die ihr Kind nicht großziehen können oder wollen,

    - dort ein Paar, das sich ein Kind sehnlichst wünscht.

 

Der Adoptionsprozess greift jedoch in eine elementare Bedingung menschlichen Daseins ein, der Eltern-Kind-Beziehung, die wie kaum eine andere weitreichende seelische wie soziale Folgewirkungen zeitigt. Bei einer näheren Betrachtung der Adoptionspyramide wird daher deutlich, dass in diesem System seelische Spannungen und psychische Konflikte zwischen allen Beteiligten an vielen Stellen mehr oder minder deutlich zutage treten können.

Die Weggabe eines Kindes geschieht meist in einer Notsituation der leiblichen Mutter, die sich unter großem sozialen Druck fühlt. Es treffen meist mehrere ungünstige Faktoren zusammen:

    - weil eine junge Frau schwanger wird, ohne einen festen Partner zu haben, der für sie und das Kind sorgen könnte bzw. möchte,

    - weil die Eltern der Mutter und/oder der Erzeuger des Kindes Druck machen, das Kind abzutreiben,

    - weil die alleinstehende Mutter möchte, dass das Kind in einer "vollständigen" Familie aufwächst,

    - weil eine Frau den Vater des Kindes ablehnt und diese Ablehnung auf das Kind überträgt (z.B. wenn das Kind die Folge einer Vergewaltigung ist),

    - weil die Mutter mitten in einer Berufsausbildung steht oder eine berufliche Stellung innehat, die sie wegen des Kindes nicht aufgeben möchte,

    - weil sie das Kind zwar nicht haben, aus religiösen oder ethischen Gründen auch nicht abtreiben will,

    - weil sich die Mutter durch die Erziehung eines behinderten Kindes überfordert fühlt,

    - weil die Mutter Prostituierte und/oder drogenabhängig ist,

    - weil das Kind das Ergebnis einer außerehelichen Beziehung ist.

 

Häufig treffen bei den Müttern mehrere Freigabegründe zusammen (z.B. Berufstätigkeit, Angst vor Isolation durch Verlust des Freundeskreises, Angst vor Überforderung, fehlende Unterstützung durch die Familie). Ratschläge für und gegen die Freigabe seitens der Verwandtschaft und des Freundeskreises bewirken zusätzliche Unsicherheiten. Die betroffenen Frauen fühlen sich häufig von allen alleine gelassen.

 

 

Kasten 1: Hintergründe einer Adoptionsfreigabe

„Es war fürchterlich für mich, mein Kind weggeben zu müssen. Doch ich sah damals keine andere Möglichkeit.“ Noch heute klingt in den Worten von Astrid Lindgren die Verzweiflung durch, die sie dazu trieb, sich von ihrem Sohn zu trennen. So war es dazu gekommen: „Ich war 18 Jahre alt und Volontärin bei der schwedischen Vimmerby-Zeitung. Ein älterer Redakteur machte mir den Hof. Am Schluß gab ich nach – und wurde schwanger.“ Der Vater wollte sie sofort heiraten. Doch Astrid Lindgren – sie hieß damals noch Ericsson – lehnte ab. „Ich liebte ihn nicht. Überhaupt nicht. Natürlich haben meine Eltern mich bedrängt. Aber diesen Mann heiraten? Lieber wäre ich gestorben ... .“ (aus: Hamburger Abendblatt vom 12.11.1992)

 

„Freilich war Dieter Zurwehmes Geburt von Umständen überschattet, die sein Leben schon in den ersten Wochen entscheidend beeinflussten. Seine Mutter war Deutsche, der Vater polnischer Zwangsarbeiter. Der Ehemann der Mutter war an der Ostfront. Das Schicksal des Polen ist nicht dokumentiert, mit größter Wahrscheinlichkeit hat er Deutschland nicht lebend verlassen. ... Der Ehemann, so hat es Dieter Zurwehme einem Psychiater erzählt, habe die Mutter mit der Alternative konfrontiert: Das Kind oder ich. Vier Wochen nach der Geburt gab die Mutter den Kleinen im Waisenhaus ab. Nur eine Woche später nahmen Pflegeeltern den Säugling zu sich ... 1946 adoptierten sie das Kind. Dass sie nicht die leiblichen Eltern waren, verschwiegen sie ihm.“ (aus: Süddeutsche Zeitung vom 23.5.2000)

 

3.1.2 Verhältnis zur Adoptionsvermittlungsstelle

Sofern die leiblichen Eltern eines zur Adoption freigegebenen Kindes noch leben, ist es also oft nur eine alleinstehende Mutter, die bei Adoptionsvermittlungsstellen um Rat und Hilfe nachsucht. Auf ein zur Adoption freigegebenes - allerdings möglichst junges und nicht behindertes - Kind kommen bis zu 30 Bewerber. Adoptionsberater dürfen es angesichts der Überzahl adoptionswilliger Eltern im Verhältnis zu den vermittelbaren Kindern in ihrer Beratungspraxis keinesfalls ermöglichen, dass sich eine abgebende Mutter leichtfertig zu einer Freigabe entschließt. Adoption ist nur eine Möglichkeit, die bestehenden Probleme zu lösen, nach Hinweisen aus der Praxis führen denn auch nicht einmal 25% der Beratungen zu einer Adoptionsfreigabe.

 

3.1.3 Verhältnis zur sozialen Familie

Die einmal getroffene Entscheidung und gegebene Einwilligung zur Adoption ist für die biologischen Eltern unwiderruflich. Sie müssen in der Regel damit rechnen, dass die sozialen Eltern vor allen weiteren Ansprüchen der leiblichen Eltern an das Kind geschützt sein wollen (sog. incognito der Adoption). Die meisten Adoptiveltern wollen das Kind als ihr eigenes haben.

 

3.1.4 Verhältnis zum gesellschaftlichen Umfeld

Eine abgebende Mutter muss oft mit dem Stigma der "Rabenmutter" kämpfen, sie wird von ihrer sozialen Umwelt wegen ihrer Freigabeentscheidung häufig verachtet. Es fällt den leiblichen Müttern daher schwer, offen über die Adoptionsfreigabe zu sprechen, um somit dieses Ereignis besser verarbeiten zu können.

 

3.2 Konflikte in Bezug auf die Adoptionseltern

3.2.1 Verhältnis zum Kind

Altruistische oder egoistische Motive?- "Die Kinder kommen nicht zurecht, wenn die Eltern nicht zurechtkommen!" (Aussage einer Sozialpädagogin in einer Adoptionsvermittlungsstelle) Das Risiko, in ihrer Entwicklung stecken zu bleiben, steigt für Adoptierte in dem Maße, in dem die Adoptiveltern eigene Probleme nicht angemessen bewältigen.

Nur ca. 3% aller Bewerber um ein Adoptivkind haben bereits ein eigenes Kind. Häufig sind diese Bewerber auch bereit, ein Kind in Pflege zu nehmen oder ein behindertes Kind anzunehmen. Es überwiegt bei ihnen also das altruistische Motiv, einem Kind in Not zu helfen. Die Mehrzahl aller Adoptionsbewerber aber sind Paare, die bislang selbst keine eigenen Kinder bekommen konnten. Die eigene Unfruchtbarkeit ist für sie der Ausgangspunkt für den Adoptionswunsch. Ohne Kind(er) erleben sie ihre Partnerschaft und ihr persönliches Lebensglück als unvollkommen: "Der früher eher versorgungszentrierte Wunsch nach Kindern wird von persönlichen, sinnstiftenden Motiven abgelöst. Kinder gelten als Quelle individueller Glückserfahrung und emotionaler Bereicherung des Lebens. Die kindliche Liebe und Zuneigung wird mit der Erfüllung individueller Sehnsüchte assoziiert" (Olbrich & Brüderl, 1995, S. 411).

 

Adoptionswunsch als fixe Idee.- Der Adoptionswunsch kann bei manchen adoptionswilligen Eltern leicht zur fixen Idee werden. Etwa wenn sich eine Frau als unvollkommen und wertlos empfindet, weil sie keine Kinder zur Welt bringt, ihre biologische Rolle als Mutter nicht erfüllen kann oder wenn ein Mann sich unmännlich empfindet, weil er kein Kind zeugen kann. Der Wunsch nach einem eigenen Kind löst sich dann leicht in die Vorstellung auf: Dann irgendein Kind, Hauptsache ein Kind! Das Adoptivkind hat damit die Aufgabe, das Glück des unglücklichen Paares zu gewährleisten, es ist in Gefahr, dafür funktionalisiert zu werden. Dieses Motiv scheint eine Quelle für die starke Nachfrage nach Auslandsadoptionen und das Tätigwerden illegaler Vermittler und skrupelloser Kinderhändler zu sein. In der Praxis der Adoptionsberatung, spielt es eine zentrale Rolle.

Es kommt offenbar immer wieder zu dramatischen psychischen Konflikten, wenn "Traumkinder wahr werden", die Adoptiveltern das für sie ausgesuchte Kind zum ersten Male sehen. Bernard (1990) nennt dafür folgende Gründe: Kinderlose Paare, die sich nach einem Baby sehnen, entwickeln Phantasien von ihrem eigenen Kind. Die Konfrontation mit dem Realkind kann für sie desillusionierend sein. Sie müssen ihre Vorstellung von "ihrem Traumkind" erst aufgeben. Ebenso jene Paare, die ein eigenes Kind verloren haben und dieses durch eine Adoption wieder bekommen möchten. Die adoptierten Kinder erhalten dann sogar den Vornamen des verstorbenen Kindes!

Auch die neun Monate Vorbereitungszeit auf das Kind entfallen für die Eltern, die plötzliche Elternschaft trifft sie unvermittelt. Trotz der langen Vorbereitungszeit durch eine Vermittlungsstelle können die Eltern nie wissen, ob es tatsächlich einmal klappt und sie ein Kind vermittelt bekommen. Die erste Begegnung mit dem Kind kann aber auch den eigentlichen Wunsch der Eltern, kinderlos zu bleiben, zum Vorschein bringen. Ihr Adoptionswunsch kann nur deshalb bestanden haben, weil er sozial hoch anerkannt ist.

 

Makel der eigenen Unfruchtbarkeit.- Angesichts eines Adoptivkinds wird ein unfruchtbares Paar unwiderruflich mit der Tatsache konfrontiert, dass es keine eigenen Kinder bekommen kann. Die Enttäuschung darüber hat es bis dahin oft verdrängt. Unfruchtbarkeit kann als persönliche "Schande" erlebt werden, die oft verzweifelten Bemühungen um eine Zeugung und ergebnislosen Konsultationen von Fachärzten können bereits starke Schamgefühle erzeugt haben (Brähler & Meyer, 1991; Guttormsen, 1992). Dies kann bei dem Ehepaar die Tendenz verstärken, das adoptierte Kind wie ein leibliches haben zu wollen, die Adoption als peinliches Tabuthema zu behandeln, dem Kind damit Auskünfte über seine Herkunft und seine Eltern vorzuenthalten.

 

Angst vor der Untreue des Kindes.- Mutter von Peter: "Ich konnte es nicht ertragen, ihn weinen zu hören und ihn in dem Gefühl aufwachsen zu lassen, nicht geliebt zu werden oder unerwünscht zu sein. Ich lebte in Angst, dass er eines Tages wünschen könnte, seine wirkliche Mutter zu finden." Mutter von Johanna: "Wir verbrachten unsere ganze Zeit zusammen." Manche Adoptiveltern erleben ihre Beziehung zum Kind immer als labil und gefährdet, haben Angst, das Kind könnte sich von ihnen lösen und sich distanzieren. Grundlage dafür ist die - oft unbewusste, verdrängte - Eifersucht der Eltern auf die leiblichen Eltern, ein latentes Misstrauen, als Eltern vom Kind nicht akzeptiert zu werden, die Unterstellung, das Kind sehne sich im Grunde nach seinen leiblichen Eltern. Die Eltern kann es z.B. ärgern, wenn das Kind zu Fremden eine bessere Beziehung entwickelt als zu ihnen selbst. Sie haben daher Angst davor, das Kind alleine zu lassen, versuchen es stark an sich zu binden, vereiteln damit u.U. den entwicklungsnotwendigen Kontakt zu anderen Kindern. Lehnt das Kind seine Eltern ab, sehen sie darin eine Bestätigung ihres eigenen Versagens und haben Schuldgefühle. Die Ambivalenz der Einstellung des Kindes - Ablehnung und gleichzeitig Bindungsbedürfnis - wird so leicht übersehen; die bereits entstandene Bindung als viel zu unzuverlässig gedeutet.

 

Erziehung durch Verwöhnen oder Strenge.- " Meine Mutter ist sehr ängstlich, also regt sich schnell auf, wenn man sich nicht abgemeldet hat oder man zu einer bestimmten Uhrzeit nicht da ist, nennt mir auch überall die Gefahren, denen ich ausgesetzt bin." (Adoptierte, 20 Jahre alt, zu Hause lebend) Aus Angst vor der Ablehnung der Adoptivkinder trauen sich die Adoptiveltern oft nicht, dem Kind Grenzen zu setzen, es adäquat zu kontrollieren oder gegebenenfalls angemessen zu bestrafen. Ein Teil der Eltern neigt zur Nachgiebigkeit. Das Kind kann daraus die Vorstellung entwickeln, dass es Erwachsenen nicht zu gehorchen braucht, die nicht seine leiblichen = wirklichen Eltern sind.

Adoptiveltern reagieren oft auch besonders ängstlich und besorgt. In einer Untersuchung der FU Berlin, Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie, zeigte sich bei 25 von 28 adoptierten Kindern folgendes Erziehungsverhalten der Eltern :

 - vermehrte Leistungsanforderungen,

 - überbesorgt, kontrollierend und einengend,

 - emotional kühl, gesteigerte Kritik, abweisend,

 - rigide, starr, streng,

 - bevormundend, autoritär.

(Eine Kontrollgruppe nicht in die Psychiatrie eingewiesener Adoptierter fehlt hier allerdings!)

 

Identifikationsprobleme mit dem Kind.- Frau H. "Wenn Bernd unser leiblicher Sohn wäre, dann wäre er ein netter, fleißiger Junge und würde sich anständig benehmen." Für Adoptiveltern bleibt die Frage offen, wie ihr eigenes, leibliches Kind aussehen würde, wie es sich verhalten, wie intelligent etc. es sein würde. Eine Identifikation mit dem Kind über dessen Körperselbst, d.h. äußerlich wahrnehmbare Merkmale ("Nase vom Vater, Augen von der Mutter ...") bleibt Adoptiveltern - wie dem Kind - versagt, damit auch die Bestätigung der Zugehörigkeit zur Familie, zur Genealogie der Sippe, d.h. den Abstammungsverhältnissen der Verwandtschaft. Dadurch werden die Zweifel am Adoptivkind genährt, v.a. wenn es den Erwartungen der Eltern nicht entspricht und Probleme macht. In Konfliktfällen neigen Eltern durchaus dazu, dem Kind wenn auch versteckt, doch für es spürbar, vorzuhalten, dass es gar nicht ihr richtiges Kind sei. Dabei spielt die Phantasie eine Rolle, Problemverhalten werde genetisch weitervererbt. Dies löst in der Regel beim Kind eine Katastrophenreaktion aus, es versucht sich völlig von "diesen fremden Eltern" zu lösen.

 

3.2.2 Verhältnis zu den leiblichen Eltern

Lebenslange Angst vor den leiblichen Eltern.- Die sozialen Eltern haben Angst vor den möglichen Ansprüchen der biologischen Eltern. "Blut ist dicker als Wasser!" - kann ihre geheime Befürchtung sein. Andererseits müssen das doch schlechte Leute sein, wenn sie das weggeben, was die sozialen Eltern sich jahrelang so sehnlich gewünscht haben! Besonders in der Adoleszenz erschrecken die Eltern vor dem Wunsch des Kindes, seine leiblichen Eltern kennen zu lernen. Was sie möglicherweise unbewusst immer befürchtet hatten, tritt jetzt ein: Das Kind verlässt sie und geht zu seinen "wirklichen" Eltern. Doch kaum einer der Adoptierten wünscht nach den bisherigen Erfahrungen von Adoptionsvermittlungsstellen, die Jugendlichen behilflich sind, ihre leiblichen Eltern zu finden, tatsächlich seine Adoptiveltern durch seine leiblichen zu ersetzen. Jugendliche haben nur ein verstärktes Bedürfnis, sich im Rahmen ihrer Identitätssuche mit ihrer Biographie auseinander zu setzen. Dieses Bedürfnis sollten die Adoptiveltern den Jugendlichen also auch ohne Widerwillen zugestehen, sie sogar dazu ermutigen, diesem Wunsch nachzukommen, wenn er besteht.

 

Adoption als Diebstahl.- Alberts Vater: "Wir hatten Angst, dass uns Albert hassen würde, weil wir ihn seiner richtigen Mutter weggenommen hatten." Unbewusst - die Adoptiveltern projezieren ihre eigenen Phantasien auf die leiblichen Eltern und das Kind - kann die Aneignung eines fremden Kindes auch als Diebstahl empfunden werden (was er in manchen Fällen, z.B. von Auslandsadoptionen vielleicht sogar ist?). Dazu trägt die Auffassung bei, dass Mutter und Kind im Grunde biologisch untrennbar verbunden seien, und die Tatsache, dass eine Mutter auf ihr Kind verzichten könne, erscheint gefühlsmäßig unglaubhaft. Die Adoptiveltern fürchten dann, dass jemand ihnen zur Strafe für diesen Diebstahl das Baby wieder wegnehmen wird oder dass das Kind sie selbst ablehnen wird.

 

3.2.3 Verhältnis zur Adoptionsvermittlung

Bittsteller sein.- Die adoptionswilligen, insbesondere selbst kinderlosen Paare empfinden sich den Vermittlungsstellen gegenüber - im Bewusstsein des Überhangs an Nachfrage nach Kindern - als Bittsteller, die durch Prüfungsgespräche ihre Adoptionseignung nachweisen müssen, ohne genau zu wissen, worin diese besteht. Sie werden u.a. aufgefordert nachzuweisen, ihre eigene Kinderlosigkeit bereits verarbeitet zu haben, ohne sich vorstellen zu können, was dies alles impliziert. Sie werden z.B. gebeten, das Kind über die Adoption möglichst früh aufzuklären, ohne zu wissen, was das dann konkret bedeutet. Sie vermuten, dass man von ihnen erwartet, ein möglichst harmonisches Familienbild nach vollzogener Adoption abzugeben und möglichst keine Probleme zu haben, um auf diese Weise ihre "Eignung" unter Beweis zu stellen. Diese von den Eltern verinnerlichten Erwartungen können das Verleugnen tatsächlich vorhandener Probleme befördern. Adoptiveltern können so stets das latente Gefühl haben, geprüft und evtl. für unwürdig befunden zu werden. Die Überprüfung der Eltern vor einer Adoption, ob sie die vorgeschriebenen Kriterien auch erfüllen, kommt diesen Vorstellungen tatsächlich entgegen. Diese Angst verstärkt das Bedürfnis, nach außen als eine "ganz normale Familie" zu erscheinen, das Thema Adoption so weit wie möglich zu verdrängen.

Für die Fachkräfte in den Adoptionsvermittlungsstellen sind besonders nachgiebige Bewerber in der Beratungspraxis eher problematisch, weil bei diesen eine mangelnde Auseinandersetzung mit den zu erwartenden psychischen Konflikten zu befürchten ist. In der Adoptionsberatung müssen Beraterinnen auch den Mut aufbringen, den Adoptionswunsch abzuweisen, wenn sie bemerken, dass es den Bewerbern nicht um das Kind geht, sondern nur um ihre eigene Lebensideologie.

 

Zurückhaltung bei der Annahme psychosozialer Hilfen.- Manche Adoptiveltern - vor allem jene, die eine Adoptionsberatung vor allem als persönliche Kontrolle erlebten - zögern, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil sie stets in einem übersteigerten Gefühl der Bedrohung leben und Angst haben, sie könnten vollends die Kontrolle verlieren, alles könnte zerstört werden, wenn sie Hilfe brauchen. Zur Scham über die eigene Unfruchtbarkeit als Kinder-Erzeuger kann jetzt die Scham hinzukommen, als Kinder-Erzieher versagt zu haben. In Beratungssituationen (z.B. in der Erziehungsberatung) wird daher die Adoption zunächst oft gar nicht erwähnt, es wird geleugnet, dass die Probleme des Kindes etwas damit zu tun haben könnten, um die Illusion der biologischen Einheit ("natürliche Familie, die nichts zu fürchten hat") nicht zu untergraben.

Den Eltern muss in der Beratung aber klar werden, dass sie eben keine ganz normale Familie bloß mit einem Adoptivkind sind, sondern etwas Besonderes, eine besondere soziale Konstellation. So zu tun als wäre dies nicht der Fall, verschleiert nur die tatsächlich vorhandenen Konflikte. Dass Kinder nicht über die Adoption sprechen (wollen), beweist ebenfalls nicht, dass solche Konflikte nicht da wären. Da die Adoptionsproblematik des Kindes untrennbar mit der Adoptionsproblematik der Eltern verbunden ist, müssen diese in eine eventuelle Therapie des Kindes - nicht nur als Berichterstatter - miteinbezogen werden.

 

3.2.4 Verhältnis zum gesellschaftlichen Umfeld

Anerkanntes soziales Engagement.- Adoptiveltern werden in der Regel für ihr soziales Engagement gesellschaftlich anerkannt. Sie bekommen aber oft auch den Zweifel seitens ihrer Bekannten mit: "Ob das wohl gut geht? Man weiß ja nicht, wo das Kind herkommt ..." Und wenn dann tatsächlich Probleme auftreten: "Man hat es doch gleich gewusst ...!"

 

Fehlende Gegenwehr bei Vorurteilen aus dem sozialen Umfeld.- Ob die Nachbarn ihr Kind nicht mit einem Adoptivkind spielen lassen, ob Lehrer schlechte Noten damit begründen, dass aus einem Adoptivkind ohnehin nichts Richtiges werden kann, ob der Großvater noch am Sterbebett dem "Bastard" die Hand verweigert - solcherlei kommt vor und weist darauf hin, welche Belastungen für Adoptivkinder wie ihre Eltern durch Vorurteile im sozialen Umfeld entstehen können. Für Eltern wie Kinder ist es dann besser, solche Diskriminierungen nicht schweigend hinzunehmen, sich dagegen zu Wehr zu setzen oder sich zumindest im Kreise Gleichbetroffener über solche Vorfälle auszutauschen.

 

3.3  Konflikte in Bezug auf die Adoptionsvermittlungsstellen

3.3.1 Verhältnis zu den biologischen Eltern

Konflikte entstehen z.B. für AdoptionsvermittlerInnen, wenn die leiblichen Eltern langfristig mit der Adoptionsfreigabe nicht zurechtkommen und Vorwürfe gegen die Vermittlungsstelle erheben, sie seien falsch beraten worden. Oft kennen die Beraterinnen den leiblichen Vater des Kindes nicht, wenn die abgebende Mutter ihn nicht benennt. Viele Beratungen führen dazu, dass sich die Mutter zum Behalten des Kindes entschließt, weil ihre psychologische und soziale Unterstützung angeboten wird.

 

3.3.2 Verhältnis zu den sozialen Eltern

Adoptionsvermittlungsstellen haben die Entscheidungsmacht über das "Glück", das sich in der Regel kinderlose, adoptionswillige Paare vorstellen. Auch wenn im Adoptionsrecht das "Wohl des Kindes" als Leitgedanke verankert ist (Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter und überörtlichen Erziehungsbehörden, 1994), müssen die Fachkräfte in Adoptionsvermittlungsstellen im konkreten Einzelfall die Interessen des Kindes, der leiblichen und der sozialen Eltern ausbalancieren.

 

3.3.3 Verhältnis zum gesellschaftlichen Umfeld

Adoptionsvermittlung ist gesellschaftlich anerkannt, weil elternlose Kinder neue Eltern bekommen, weil damit Kinder vor Heimkarrieren bewahrt oder möglicherweise Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden. Die Adoptionsvermittlung steht auch unter dem Einfluss gesellschaftlicher und politischer Vorgänge (vgl. Aktivität des Kinderhilfswerkes „terre des hommes“ während des Vietnamkrieges; Anstieg der Bereitschaft, Kinder aus Rumänien zu adoptieren, nach dem Zusammenbruch des Ceauscescu-Regimes und den Schreckensmeldungen über den Zustand rumänischer Kinderheime und deren Organisation durch den Internationalen Sozialdienst (ISD) in Frankfurt/Main).

 

3.4 Konflikte in Bezug auf das adoptierte Kind

3.4.1 Verhältnis zu den biologischen Eltern

Warum bin ich  nicht erwünscht?- Die "biologische Matrix der Familienstruktur" (Wieder 1990, S. 205) ist zerstört, was beim Kind zu "speziellen Wiederherstellungsversuchen" führt. Das Kind kann sich als von seinen Eltern nicht erwünscht, abgestoßen, weggegeben, im Grunde als Kind wertlos erleben. Es sucht dann die Schuld zunächst bei sich, es war es offenbar nicht wert, von der Mutter behalten zu werden, es erlebt sich als wertloses, "böses Kind". Sucht das Kind die Schuld primär bei seinen Eltern, sieht es auch nicht besser aus: Von solch schlechten Eltern abzustammen, die ihr Kind weggeben, kann nichts anderes bedeuten, als auch selbst ein "schlechtes Kind" zu sein.

 

Ohnmächtige Wut und Kompensationsversuche durch "Familienroman-Phantasien".- Das Kind fragt sich in erster Linie nach den Gründen, warum es weggegeben wurde: Warum gerade ich, was stimmt mit mir nicht? Warum wurde z.B. mein nach mit geborenes Geschwister nicht weggeben? "Obwohl ich oft eine ohnmächtige Wut der leiblichen Mutter gegenüber empfand, idealisierte ich sie in meinen Phantasien. Ich versuchte sie mir nach meinen Wünschen vorzustellen. ... Diese Frau war schön, und ich war zufrieden mit diesem Phantom. ... Im Bett dachte ich viel über diese Dinge nach und stellte Spekulationen an. Eine davon war, dass die Mutter eine Prostituierte war und ich ein Missgeschick." (aus Schärer, 1991) In Bezug auf seine leiblichen Eltern macht das Kind sich Phantasien wie:

    - die Eltern sind schon alt und tot, die Mutter ist gleich nach der Geburt gestorben,

    - die Mutter als Hure, die ihr Kind einfach weggibt,

    - die Eltern als arme Leute,

    - Hass auf die Eltern, aber auch Angst davor, sie durch diesen Hass zu verletzen, gar zu töten und damit völlig zu verlieren.

Auf diese Weise kann das Adoptivkind immer wieder in Loyalitätskonflikte zwischen seinen Adoptiv- und seinen leiblichen Eltern geraten: Wer sind die besseren? Zu wem soll ich stehen?

 

Das Problem der doppelten Eltern.- Vor allem jüngere Kinder differenzieren sprachlich-kognitiv und vermutlich auch emotional noch nicht zwischen leiblicher und Adoptivmutter, daher liegt es nahe, dass Gefühle von der einen auf die andere übertragen werden, dass z.B. den Hass auf die leibliche Mutter auch die Adoptivmutter abbekommt.

 

Selbstschutz durch Beziehungsvermeidung.- Aus Angst wieder verlassen zu werden, kann es adoptierten Kindern schwer fallen, Beziehungen zu anderen einzugehen. Positive Gefühle anderen gegenüber machen ihnen Angst, weil sie sich nicht genug abgrenzen können und dann Angst haben, wieder verlassen zu werden. Erwachsene Adoptierte leiden später vielfach unter erheblichen Einsamkeitsgefühlen und haben große Probleme mit Trennungen.

Noch wenig bekannt ist auch, wie Adoptierte mit ihren Geschwistern, Halbgeschwistern und anderen Verwandten umgehen. Einen Blick auf die besonderen Konfliktlagen ermöglicht z.B. eine Fallschilderung, die in der Mai-Ausgabe 2000 der Zeitschrift Brigitte dargestellt wird. Zwei adoptierte Mädchen aus Rumänien besuchen mit ihren Adoptiveltern aus Deutschland die Verwandtschaft in einem Karpatendorf.

 

3.4.2 Verhältnis zu den sozialen Eltern

"Werde ich wieder verlassen?"- "Das Problem der Dankbarkeit blieb. Ich glaubte, dass ich alles annehmen musste und mich nicht wehren und vor allem keinen eigenen Willen haben durfte." (aus Schärer, 1991) Das Kind kann auch bei seinen neuen Eltern Angst haben, wieder weggegeben zu werden. Es kann die Vorstellung entwickeln, nur durch einen "Vertrag" an die Adoptiveltern gebunden zu sein, der von den Erwachsenen jederzeit wieder rückgängig gemacht werden kann. Dieses Problem kann sich verschärfen, wenn die Eltern ein weiteres Kind adoptieren, oder doch noch ein eigenes bekommen. In der Praxis gibt es sogar Fälle, in denen zunächst kinderlose Eltern das Adoptivkind wieder zurückgeben wollen, nachdem sie wider Erwarten doch ein eigenes Kind bekommen.

Das Kind erlebt seine Adoptiveltern mitunter als "Retter", denen es sich aus Dankbarkeit vollkommen unterwerfen muss, um sein Leben sicherzustellen, und als diejenigen, die es wieder verlassen könnten. Es wählt die Strategie der Anpassung, "ein gutes Kind"  zu sein, um sich vor dem Verlassenwerden zu schützen.

 

Selbstschutz durch Regression.- Um die Angst vor dem Wiederverlassenwerden zu bewältigen, kann das adoptierte Kind auch die Strategie wählen, sich zurückzuhalten mit dem Größerwerden. So z.B. in der Schule: Lernen, Lesen und Schreiben können als Bedrohung erlebt werden, aus dem Kleinkindstadium heraus zu müssen. Dies ist ein klassisches Verhaltensmuster bei Kindern, die erst mit 3-4 Jahren vermittelt werden.

Wollen die Eltern nicht über die Adoption sprechen und merkt dies das Kind, so steht es in einem Loyalitätskonflikt : Entweder es rebelliert, um auf die Diskrepanz zwischen seinem Gefühl/Wissen und der Einstellung der Eltern aufmerksam zu machen oder es hält sich zurück - stellt sich dümmer/naiver als es ist. Auch wenn das Kind glaubt, es sei verboten, etwas über seine leiblichen Eltern in Erfahrung zu bringen, wird jedes Lernen zu etwas Gefährlichem, weil Verbotenem.

 

Austesten durch böse sein.- Das Kind kann durch aggressives, trotziges Verhalten austesten wollen, ob seine Eltern den Vertrag brechen und es zurückgeben, es ebenso weggeben könnten wie seine leiblichen Eltern. Meidendes, hyperaktives Verhalten ist als Versuch der Angstverarbeitung zu sehen, um nicht erleben zu müssen, wieder verlassen zu werden ("Weise zurück, bevor du zurückgewiesen wirst!"). Auch kann es die Strategie wählen, vor den Adoptiveltern zu fliehen, weil es sie für böse hält.

 

Größenphantasien.- Zu dieser Strategie einer Selbstüberhöhung gehören u.a. narzißtisch-kompensatorische Spiele: Das Kind fühlt sich der Situation nicht gewachsen, ist sehr verletzlich, hat Angst, fühlt sich wenig wert und kompensiert dies durch Spiele wie "ein Held ", "ein Superstar" sein. Weiterhin passen dazu Lügen und Phantasiegeschichten: Indem das Kind versucht, jemand anderen von seinen erfundenen Geschichten zu überzeugen, versucht es auch sich selbst etwas vorzumachen, insbesondere, dass die Auskunft, es sei adoptiert, falsch sei. Zu bemerken ist auch die Suche nach idealisierten Vorbildern, "Liebesobjekten", um die verlorenen (leiblichen)  und entwerteten (Adoptiv) Eltern zu ersetzen.

 

3.4.3 Verhältnis zur Vermittlungsstelle

Erst in der Pubertät oder wenn es massive Konflikte mit den Adoptiveltern gibt, denken Adoptierte daran, sich an eine Adoptionsvermittlungsstelle zu wenden. Für sie bleibt dann die bange Frage: Ist von dort Unterstützung zu erwarten, wenn ich das Interesse habe, meine leiblichen Eltern kennen zu lernen? (Über die Möglichkeiten der Auslegung des § 1758 im Adoptionsrecht informieren z.B. Mitteilungsblätter des Bayerischen Landesjugendamtes.)

 

3.4.4 Verhältnis zum gesellschaftlichen Umfeld

Adoptierte müssen sich nicht nur in eine neue Familie integrieren lernen. Auch alle anderen sozialen Bezüge sind weniger selbstverständlich als für Kinder, die mit ihren leiblichen Eltern zusammenleben. So stellen sich Fragen wie: Werde ich von der Verwandtschaft meiner sozialen Eltern, von meinen Mitschülern, Freunden als Adoptierte(r) akzeptiert? Bin ich ein "Exot" im fremden Land (gilt v.a. für Adoptierte aus anderen Kulturkreisen)?

 

4 Welche Bedeutung hat das Kindesalter zum Zeitpunkt der Adoption?

 

Hat der Zeitpunkt der Adoption einen Einfluss auf die Entwicklung psychischer Problemen bei adoptierten Kindern? Hinter dieser Frage steckt die Überlegung, wie schwer es einem Kind fällt, seine primären Bezugspersonen zu wechseln. Insbesondere geht es hier um die Frage nach Aufbau und Abbruch der Bindung zur biologischen Mutter und dem Neuaufbau einer Bindung zu den sozialen Eltern.

 

Verlust von Bindungen.- Entwicklungspsychologische Befunde zeigen, dass die Bindung zwischen Mutter und Kind auf verschiedenen Prozessen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen des Kindes beruhen:

    - Konditionierungen (auch bereits vorgeburtlich) (geruchliche, akustische Reiz-Reaktionsverknüpfungen),

    - Reflexhaftes (Re)Agieren (bis ca. 3./4. Lebensmonat) (Lächeln, Schreien, Anschmiegen, Versteifen des Körpers, "Kindchenschema" bei Erwachsenen),

    - Personales Interagieren (ab ca. 5./6. Lebensmonat) (Lachen, Weinen, Interaktionsspiele, vorsprachliche Kommunikation, Fremdeln, Trennungsangst)

    - Sozial-emotionale Beziehung (ab 7. Lebensmonat) (sichere, unsicher-ambivalente, unsicher-vermeidende Bindung; Interaktionsbereitschaft bei Erwachsenen)

(vgl. u.a. Oerter & Montada, 1987, S. 175-203; 1995, S. 182-184)

 

Thesen zum Prozess und zur Bedeutung des "bondings" unmittelbar nach der Geburt durch Körper- und Augenkontakt wurden von Klaus und Kennell (1987) aufgestellt, sie wurden z.T. auch empirisch bestätigt, allerdings nicht in dem Sinne, dass dadurch eine unauflösbare "Prägung" entstünde. Mit etwa drei Monaten stellen Kinder zu ihrer Mutter ein zunehmend personales Verhältnis her, d.h. die Mutter wird zu einem nicht mehr einfach zu ersetzenden Partner eines Interaktions- und Kommunikationsgefüges. Das Kind reagiert nicht mehr nur reflexartig auf ein Gesichtsschema, sondern kann das Gesicht der Pflegeperson von anderen Gesichtern unterscheiden (daher kommen auch Phänomene wie Fremdeln und "Achtmonatsangst").

 

Verlust von Urvertrauen.- Kinder mit Heim- und Pflegefamilienkarrieren müssen sich nicht nur häufig umgewöhnen, sie erleiden mit zunehmendem Alter immer gravierendere Verluste von Beziehungspersonen, im Sprachgebrauch der Psychoanalyse Verluste an "inneren Repräsentanzen". Weil sich das Kind mit seiner Mutter vor allem im ersten Lebensjahr vollkommen identifiziere, erleide es nicht nur einen "Objektverlust", sondern auch einen Verlust von Teilen seiner eigenen Identität. "Urvertrauen" zur Welt könne sich damit nicht ausbilden. Mit der psychischen Entwicklung von der Geburt eines Menschen bis etwa zum 3. Lebensjahr haben sich u.a. Mahler, Pine & Bergman (1980) intensiv auseinandergesetzt. Sie unterscheiden vier Phasen:

    - die symbiotische Phase (erste Wochen nach der Geburt): das Kind lebt in der Illusion, körperlich und psychisch mit der Mutter verschmolzen zu sein. Es kann noch nicht zwischen innen und außen, selbst und anderen unterscheiden. Es phantasiert eine gemeinsame Grenze mit der Mutter. Die Mutter fungiert als "Hilfs-Ich". Das Kind entwickelt auf diese Weise ein Urvertrauen zur Welt.

    - die Phase der Loslösung und Individuation (7.-18. Lebensmonat),

    - die Phase der Wiederannäherung (14.- 22. Lebensmonat): Angst vor dem Mutterverlust, Ansätze der Regression in die symbiotische Phase,

    - Konsolidierung (bis zum 3. Lebensjahr).

 

Trennung als Trauma.- "Dieses Trauma der frühen Trennung von der leiblichen Mutter erlebt jedes Adoptivkind, egal, wann es zu den Adoptiveltern kommt. Es ist nicht die gleiche Schwingung, es ist nicht die gleiche Stimme, es sind nicht die gleichen Bewegungen, das Kind kommt in eine neue Umgebung, es geschieht ein Bruch." (Scholz, 1994, S. 31f.) Der Traumabegriff wird meines Erachtens für das Verstehen und Erklären seelischer Prozesse bislang noch zu wenig genutzt. Die Psychotraumatologie (vgl. Fischer und Riedesser, 1999) wird jedoch in Zukunft sicher vieles besser erklären können als gängige psychologische Theorien. Um besser zu verstehen, was ein Trauma ist, möchte ich diesen Begriff von zwei anderen Begriffen abgrenzen:

    - alltägliche Verhaltensanforderungen: mit diesen kommt ein Mensch gut zurecht, ohne sich besonders anstrengen zu müssen;

    - Stresssituationen: mit diesen kommt ein Mensch nur zurecht, wenn er auf Hochtouren fährt, wenn er sich besonders anstrengt; unter diesen Umständen gelingt es ihm, sich mehr oder weniger gut anzupassen.

 

Beim Trauma nützt einem Menschen die besondere Aktivierung seiner körperlichen und psychischen Ressourcen jedoch nichts. Im Zustand der Überwachheit und Übererregung sieht er sich mit seinem Unglück konfrontiert – ohne wirklich etwas dagegen unternehmen zu können.

Kinder, die weggegeben werden, ob in eine Heim, zu Pflegeeltern oder zu Adoptiveltern haben keine Chance, sich dagegen zu wehren. Wenn wir daran denken, wie sich Kinder normalerweise dagegen sträuben und sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, von ihren Eltern getrennt zu werden, bekommen wir eine Ahnung davon, wie traumatisierend es für ein Kind sein muss, weggegeben zu werden. Ob jedes adoptierte Kind ein solches "Trauma" erlebt hat und seelisch verarbeiten musste und wie schwer dieses gegebenenfalls wiegt, - um dazu fundiertere Aussagen machen zu können, fehlen meines Wissens bislang verlässliche empirische Daten.

 

Fazit.- Im Grundsatz gilt vermutlich: Je früher ein Kind zur Adoption freigegeben wird - die Adoptionsvermittlungsstelle kann bereits während der Schwangerschaft eingeschaltet werden - desto besser sind die Chancen eines Kindes, möglichst früh Adoptiveltern zu finden, den Abbruch der Beziehung zur biologischen Mutter und den Neuaufbau der Beziehung zur sozialen Mutter zu verarbeiten. Diese Annahme wird durch Befunde in der bereits zitierten Studie von Knoll und Rehn (1985) gestützt: Die Adoptiveltern berichteten mehr Verhaltensauffälligkeiten bei Adoptierten mit höherem Ankunftsalter während der ersten Jahre nach der Ankunft und zum Zeitpunkt der Befragung; auch die befragten adoptierten Jugendlichen hatten größere Probleme, die Freigabeentscheidung ihrer leiblichen Eltern zu akzeptieren, wenn sie zum Zeitpunkt der Adoption bereits älter waren.

 

4 Wie bedeutsam ist die Aufklärung des Kindes über seine Adoption?

4.1 Einwände gegen eine frühe Aufklärung

Die Frage der Aufklärung des adoptierten Kindes über seine Herkunft ist insbesondere für Eltern ein großes Problem, die das Adoptivkind wie ein eigenes, leibliches Kind erleben und behandeln möchten. Diese Illusion wird durch die Aufklärung des Kindes zerstört, weswegen solche Adoptiveltern die Aufklärung gerne hinauszögern, am besten ganz "vergessen" möchten. Unterstützung findet diese Einstellung, den Zeitpunkt der Aufklärung möglichst hinauszuzögern, teilweise auch in der psychoanalytischen Literatur.

 

Verwirrung des Kindes.- "Mit Furcht und Verwirrung reagierten meine Patienten in der frühen Kindheit auf die Mitteilung über die Adoption. Die Information verlieh den bereits vorhandenen illusorischen, allgegenwärtigen Ängsten vor Objekt- und Liebesverlust verstärkt den Anschein von Realität. Die Geschichten, die man ihnen über ihre Adoption erzählte, wurden in furchterregende Phantasien von tatsächlichem Verlassen werden umgewandelt. Es musste dann eine Abwehr mobilisiert werden, um der Trennungsangst entgegenzuwirken." (Wieder, 1990, S. 211)

Kinder weigerten sich demnach, die Erklärungen der Eltern anzuhören, verleugneten sie, verdrehten sie und versuchten, ihre eigene Adoptionsgeschichte daraus zu machen, mit der sie leben können. In tiefenpsychologischer Terminologie: "Die Verleugnung als wichtigster Abwehrmechanismus beeinträchtigte ernstlich Realitätsprüfung, kognitives Funktionieren und Objektbeziehungen." (Wieder, 1990, S. 212) Wieder wendet sich gegen die frühe Aufklärung, weil damit im Grunde nur den Ängsten der Eltern entgegengekommen werde, nicht aber auf den Entwicklungsstand des Kindes Rücksicht genommen werde, das sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht mit der Adoptionsinformation vernünftig, argumentativ auseinandersetzen könne. Egal wie "natürlich und sachlich" die Aufklärung dem Kind dargeboten werde, bei ihm bleibe nur die Tatsache "Mutter ist nicht ich; ich bin nicht Mutter" als Grundgefühl übrig, mit dem es von nun an zu kämpfen habe.

Wieder behauptet auch, dass Kinder die nicht aufgeklärt wurden, sich normal wie leibliche Kinder entwickelten, nach ihrer Aufklärung aber in ihrem Verhalten, Denken, in ihren Beziehungen dramatische Veränderungen eingetreten seien. Der Angst der Eltern, dass das Kind von Dritten aufgeklärt werden könne, widerspricht Wieder: "Kleinkinder und Kinder im Vorschulalter finden zum Beispiel großartig, was ihre Eltern ihnen erzählen. Sie pflegen auf Behauptungen Dritter nichts zu geben und verlassen sich auf das, was ihnen die Eltern sagen." (1990, S. 38f.)

 

„Ich wusste es schon immer.“- Dagegen stehen Aussagen von Adoptierten selbst: Sie meinen, schon immer gespürt zu haben, dass da etwas Geheimnisvolles in der Familiengeschichte war: fehlende Bilder von der Geburt, die Eltern reden nicht darüber, greifen zu Notlügen. "Ja, ich hatte immer als Kind das Gefühl, auch als ich es noch nicht wußte, dass bei mir irgendetwas anders ist als bei den anderen. Und ich hatte das Gefühl, irgendwie zweite Wahl zu sein, auch schon davor."

Soll also dem adoptierten Kind die Wahrheit über sein Schicksal nicht zugemutet werden, es weiter zur Verleugnung seiner Wahrnehmungen angehalten werden? Zur Bewertung der Aussagen von Wieder ist auch zu bedenken, dass er seine Schlüsse aus seiner Erfahrung mit Kindern zieht, die klinisch auffällig wurden, es sich also um eine selektive Stichprobe handelt.

4.2 Argumente für eine möglichst frühe Aufklärung

Aufklärung am Wickeltisch.- Adoptiveltern werden von Fachkräften der Adoptionsvermittlung heute in der Regel dahingehend beraten, das Kind möglichst früh über die Tatsache seiner Adoption aufzuklären: "Fachleute sind sich darüber einig, dass die Aufklärung so früh wie möglich beginnen sollte. ... Erfahrungen über die eigene Adoption sind ein Teil des Lernens. Für das kleine Kind ist Adoption nur eine Tatsache mehr, die es seinem beständig wachsenden Wissen über sich selbst zufügt. Es nimmt diese Information völlig unkompliziert und natürlich auf, besonders dann, wenn sie in entspannter Atmosphäre von Lächeln und von Zärtlichkeit begleitet werden. Natürlich wird das kleine Kind nicht sofort alles verstehen, wie es auch nicht alles über seine Sexualität versteht, wenn ihm gesagt wird, dass ein Baby im Bauch seiner Mutter wächst. Das macht auf dieser Entwicklungsstufe überhaupt nichts. Wichtig ist, dass es lebendiges Wissen in einer liebevollen und entspannten Atmosphäre erhält. Es beginnt das Wort "adoptiert" mit sich selbst zu verbinden. Es weiß und fühlt dann auch, dass es schön ist, adoptiert zu sein und dass seine Eltern darüber glücklich sind." (Bayerisches Landesjugendamt, 1993, S.4)

In der Beratung werden Eltern daher gebeten, die Aufklärung über die Adoption nicht auf einen künftigen Tag X hinauszuschieben. Mit jedem Jahr, das sie warteten, würden sie dazu gezwungen, ihr Kind zu belügen und gerieten in Gefahr, sich in ein Netz von Ungereimtheiten und Widersprüchen zu verstricken. Da ein Baby noch nichts von dem versteht, was seine Adoptivmutter ihm über seine Herkunft erzählt, kann die oben zitierte "Aufklärung am Wickeltisch" nur als Methode gedacht sein, die Adoptiveltern bereits unmittelbar nach der Adoption zu veranlassen, über die Adoption mit dem Kind zu "reden" und nicht auf den "geeigneten Zeitpunkt" zu warten. Offenbar finden Adoptiveltern sehr leicht Vorwände, das Thema Herkunft "jetzt noch nicht" anzusprechen, z.B. solange das Kind selbst nicht danach fragt. Sensible Kinder hüten sich aber in der Regel davor, von den Eltern tabuisierte Themen anzusprechen.

Eltern sollten nach Meinung von Adoptionsvermittlern nicht Angst vor dem irgendwann einmal kommenden "Moment der Wahrheit" haben, sondern die Adoptionsaufklärung als einen andauernden Prozess begreifen, in dem sie sich selbst mit ihren eigenen Gefühlen und Gedanken auseinandersetzen müssen (Wunsch nach eigenen Kindern, Enttäuschung über die eigene Kinderlosigkeit, Einstellung gegenüber den Freigabegründen der leiblichen Eltern) und in dem sie ihrem Kind immer wieder das Gespräch über seine Adoption anbieten und das Thema somit enttabuisieren. Das Kind soll die Bereitschaft der Eltern spüren, bei Bedarf mehr über seine Adoption erfahren zu können. In einer Adoptionsberatung wird den Eltern z.B. empfohlen, mit dem Kind zweimal Geburtstag zu feiern (Geburt und Ankunft bei den sozialen Eltern) oder mit ihm in seine Geburtsstadt zu fahren.

 

Inkognito.- Die im Grunde wichtigste Information, wer seine Eltern sind, bleibt dem Kind jedoch wegen des "Inkognitos" im Adoptionsrecht in aller Regel derzeit noch vorenthalten. Für dieses Inkognito werden zahlreiche Gründe vorgebracht: Die biologische Mutter werde vor Unannehmlichkeiten bei einer Wiederbegegnung mit ihrem Kind bewahrt. Die Adoptiveltern würden vor Ansprüchen der leiblichen Eltern geschützt. Auch dem adoptierten Kind bleibe eine schmerzliche, traumatische und enttäuschende Konfrontation mit den biologischen Eltern erspart. Das Vorenthalten ihrer Vorgeschichte halte jugendliche Adoptierte auch davon ab, ihre Adoptiveltern zu verlassen. Immanent erscheint mir in diesen Argumenten der Zweifel, dass die Adoption tatsächlich notwendig und gerechtfertigt war für das Wohl des Kindes; dass die Entscheidung der abgebenden Mutter auch hätte anders ausfallen können bzw. sie sich jetzt anders entscheiden würde.

Der Bezug auf die leiblichen Eltern stellt für ein Kind aber zunächst den zentralen Faktor in der Ausbildung seines Sozialselbst dar. Seine erste Identitätsgleichung lautet: Ich bin, was meine Eltern sind; ich bin das, wovon ich abstamme. Erst auf dieser Basis und in einem zweiten Entwicklungsschritt entwickelt das Kind dann seine Abgrenzungen hin zu mehr Eigenständigkeit. In der Studie von Knoll und Rehn (1985) hatten 97% aller befragten Adoptiveltern (n = 65) ihre Kinder aufgeklärt, im Durchschnitt mit 4,5 Jahren. 80% der Eltern berichteten, dass sich durch die Aufklärung keine Verschlechterung der Eltern-Kind-Beziehung ergeben hätte und sie keine Verhaltensänderungen bei den Kindern festgestellt hätten. Nur 5% der befragten Jugendlichen gaben an, durch die Aufklärung über ihren Adoptionsstatus verunsichert worden zu sein.

Wieder, der für eine Adoptionsaufklärung erst in der späten Kindheit/frühen Jugend plädiert, sieht in den Argumenten zum Vorenthalten der Suche und des Kontakts mit den leiblichen Eltern einerseits die Furcht der Adoptiveltern vor dem Verlassen- und damit Bestraftwerden (s.u.). Andererseits komme darin auch die gesellschaftliche Abwertung insbesondere der leiblichen Mutter, zum Ausdruck, die als "Rabenmutter", die ihr Kind hergegeben habe, nun auch keinerlei Rechte mehr besitze und eher zu verachten sei: "Meine Erfahrungen haben mich davon überzeugt, dass Jugendliche von den Adoptiveltern selbst ermutigt werden sollten, sich ohne Schuldgefühle auf die Suche nach ihrer Vergangenheit zu machen, wenn sie es wünschen. Keiner von denen, die sich auf die Suche machten, änderte etwas an seinen Familienverhältnissen; keineswegs alle Adoptierten hegen den Wunsch, nachzuforschen." (Wieder, 1990, S. 47)

Aus einer kleinen Studie (n = 126 Fälle von Kontaktvermittlungen) der Zentralen Adoptionsstelle Hamburg geht hervor (Grimm, 1993):

- Fast 50% der Anfragen kommen von Adoptierten unter 18 Jahren. Für sie stehen der Themenkomplex um die Pubertät und die Identitätsfindung im Mittelpunkt: "Wer bin ich?" "Wo komme ich her?" "Was kann ich?" "Was wird aus mir?"

- Findet dann ein Treffen zwischen Kind und leiblicher Mutter statt, ist der Ausgang offen: "Dabei kommt es zu schmerzhaften sowie äußerst beglückenden Eindrücken." (S. 66)

- Die "Gefahr", dass Adoptivkinder ihre leiblichen Eltern verlassen, ist äußerst gering.

 

Offene Formen der Adoption.- Auch in Deutschland werden seit einiger Zeit offenere Formen der Adoption diskutiert und praktiziert (vgl. Bayerisches Landesjugendamt, 1987). Dazu gehören der Informationsaustausch zwischen der Adoptivfamilie und den leiblichen Eltern über Briefe oder Fotos, das Treffen auf anonymer Basis bis hin zu Aufhebung des Inkognitos. Als Vorteile werden in der Praxis der Adoptionsvermittlung angesehen:

- Das Kind bekommt ein realistischeres Bild von seinen leiblichen Eltern, idealisierende Phantasien treten dadurch in den Hintergrund.

- Adoptiveltern zeigen mehr Sympathie und Verständnis für die leiblichen Eltern, z.B. für deren Freigabegründe.

- Die leibliche Mutter nimmt an der Entwicklung ihres Kindes in gewissem Umfange teil, ihre Ängste um das Wohl des Kindes verringern sich dadurch.

 

5 Adoptionen und systemische Verstrickungen

 

Ursachen für Verstrickungen.- Wird die Adoption dem Kind verschwiegen, hat das in der Regel schlimme Folgen für die Eltern-Kind-Beziehung. Das Kind fühlt sich verraten und belogen und traut seinen Adoptiveltern nicht mehr. Es rebelliert und das zerbrochene Vertrauensverhältnis ist seitens der Adoptiveltern weder durch Geschenke noch durch Strafen wieder herzustellen. Im Lebensschicksal von Dieter Zurwehme spiegelt sich dieser Prozess in geradezu klassischer Form wieder: Von seiner Adoption

„erfuhr Zurwehme, als er etwa elf war. Den Akten zufolge hat ein Lehrer den Jungen aufgeklärt. Zurwehme gibt an, er habe einen Brief seiner leiblichen Mutter gefunden. ‚Sorge gut für mein Herzchen’, habe darin gestanden. ‚Der Angeklagte’, heißt es in dem Akt, ‚wünschte von seinen Adoptiveltern Auskunft über Namen und Aufenthaltsort seiner leiblichen Eltern. Dies wurde ihm verwehrt.’ Etwa von da an hat sich Dieter Zurwehme allen Erziehungsversuchen widersetzt. Der Junge lief immer wieder weg, die Eltern, steht in der Anklage, hätten ihn ‚jeweils wieder aufgenommen’, auf Reisen mitgenommen, Geschenke gemacht. Andererseits sei der Vater ‚auch in überharter Weise mit Schlägen’ gegen den Adoptivsohn vorgegangen.“ (aus: Süddeutsche Zeitung vom 23.5.2000)

 

Würde Zurwehme eine Familienaufstellung machen, käme mit Sicherheit die ganze Dramatik seiner Lebensgeschichte zum Vorschein: der von den Nazis umgebrachte Vater, das Zerwürfnis zwischen seiner Mutter und deren Mann. Es würde deutlicher, aus welchen Gründen ihn seine Adoptiveltern aufgenommen haben und warum sie ihm die Auskunft über seine Abstammung verweigerten. Möglicherweise würde auch sichtbar, woher die mörderische Energie kommt, die Zurwehme für seine grauenvollen Taten brauchte. Leider werden Familienaufstellungen bislang in der Gerichtsgutachterpraxis nicht eingesetzt. Bis es soweit ist, muss das gesellschaftliche Zutrauen in Aufstellungen erst noch wachsen.

Aufstellungen könnten jedoch in der Adoptionsvermittlung bereits heute als Hilfsmittel eingesetzt werden, um zu sehen, ob eine geplante Adoption eine Chance hat zu gelingen oder ob durch die Adoption gefährliche systemische Verstrickungen in Gang gesetzt werden. Aus den Familienaufstellungskursen, die Bert Hellinger speziell mit Adoptierten durchgeführt hat (Hellinger, 1998) und aus meiner eigenen Arbeit lassen sich folgende Einsichten benennen, die auf eine „gefährliche Adoption“ hinweisen:

    - die Adoptiveltern haben ein eigenes Kind verloren und wollen es durch ein angenommenes ersetzen; sie geben ihm deshalb auch den Namen des verstorbenen Kindes;

    - das Adoptivkind soll einen früheren Partner des Adoptivvaters oder der Adoptivmutter ersetzen, der auf tragische Weise ums Leben kam;

    - das Adoptivkind soll z.B. einen früheren Mann der Mutter der Adoptivmutter ersetzen, der im Krieg gefallen ist;

    - der Adoptivvater macht die Adoption, um damit die eigene Zeugungsunfähigkeit zu verschleiern,

    - ein Stiefvater adoptiert einen Sohn, obwohl dessen eigener Vater noch für ihn sorgen könnte;

    - ein Kind wird zur Adoption freigegeben, weil es aus einer inzestuösen Beziehung zwischen Vater und Tochter stammt;

    - Adoptivkinder werden aus dem Ausland geholt, ohne zu prüfen, ob sie nicht auch dort jemand gefunden hätten, der sich um sie kümmert.

 

Durch die systemische Betrachtung wird auch deutlich, dass und warum Adoptivkinder sich ihren Adoptiveltern gegenüber verschließen und wie sie gegebenenfalls so in seelische Dynamiken innerhalb ihrer Herkunftsfamilie oder auch ihrer Adoptionsfamilie verstrickt sind, dass sie lieber sterben möchten (zur Selbstmordgefährdung siehe auch mein Skriptum „Suizidialität“). Im Anschluss an eine Arbeit mit einer Adoptionsfamilie, deren Adoptivsohn sich durch eine Überdosis Heroin das Leben nahm, nachdem dieser seinen mit Schuldgefühlen beladenen leiblichen Vater zum erstenmal gesehen hatte, formulierte Hellinger folgendes: „Wenn Eltern ein Kind so weggeben, dann ist mein Bild, dass sie sich des Todes schuldig fühlen, und dass sie gefährdet sind, sich umzubringen. Sie können das überspielen, oft auch, weil andere es an ihrer Stelle übernehmen, Kinder zum Beispiel. Aber das ist mein Bild: Das Weggeben eines Kindes ist ein solcher Angriff auf das Leben, eine solch tiefe Verletzung von Leben und Ordnung. Ein eigenes Kind weggeben ohne Not, kann in meinem Bild gar keine anderer Wirkung in der Seele haben als diese.“ (1998, S. 194)

 

Lösungen aus Verstrickungen.- Um systemische Verstrickungen im Adoptionskontext zu lösen, bewähren sich folgende Prozesse:

    - das Adoptivkind lässt die Schuld für seine Weggabe bei den leiblichen Eltern und übernimmt diese nicht für die leiblichen Eltern;

    - das Adoptivkind achtet seine leiblichen Eltern und lässt sie ziehen, wenn diese, z.B. wegen ihrer eigenen ungelösten familiären Verstrickungen, nicht in der Lage sind, es anzuschauen und wahrzunehmen;

    - das Adoptivkind dankt seinen Adoptiveltern für das Gute, das sie ihm getan haben. "Erst kommen die wahren Eltern, wie immer diese sind. Wird diese Ordnung eingehalten, kann das Adoptivkind die Adoptiveltern achten und von ihnen nehmen, was es von ihnen bekommt" (Weber, 1995, S. 74).

    - es fühlt sich am besten als Gast in der neuen Familie;

    - im Verhältnis zu leiblichen Kindern der Adoptionsfamilie stellt es sich an den letzten Platz in der Geschwisterreihe, auch wenn es älter ist und schon vor den leiblichen Kindern in der Adoptivfamilie da war;

    - der Adoptierte sucht seine Geschwister und findet bei ihnen Halt oder gibt diesen Kraft;

    - Adoptivkinder aus dem Ausland suchen nach den Wurzeln in ihrer Heimat;

    - die Adoption muss rückgängig gemacht werden, wenn die seelische Dynamik in der Adoptionsfamilie so gefährlich ist, dass sie dem Adoptivkind schadet.

 

Aufklärung bedeutet aus systemischer Sicht also das Klarstellen von sozialen Bezügen. Die Eltern-Kind-Beziehung bleibt das wesentliche Element der familiären Grundordnung, die durch die Adoption wesentlich modifiziert wurde. Dies bedeutet für die Adoptiveltern grundsätzlich, Abstand zu nehmen von der wahnhaften, weil mit den tatsächlichen Gegebenheiten nicht übereinstimmenden Vorstellung, ein nicht leibliches Kind so betrachten zu können, als sei es ihr eigenes. Adoptiveltern müssen sich in ihrer Seele mit ihrer Rolle einverstanden erklären, nur die Stellvertreter der leiblichen Eltern für das Kind zu sein. Hellinger meint: "Sobald sich die Adoptiveltern aber an die Stelle der Eltern setzen und als die besseren Eltern auftreten, zeigt das Kind oft Solidarität mit den abgewerteten Eltern und wird den Adoptiveltern böse. Geben Eltern ein Kind ohne Not zur Adoption frei, ist das Kind seinen Eltern böse, und zwar mit Recht. Dieses böse Gefühl bekommen die Adoptiveltern ab, wenn sie sich an die Stelle der wahren Eltern stellen. Wenn sie aber nur Stellvertreter sind, dann richten sich diese Gefühle auf die Eltern, und das gute Gefühl geht auf die Adoptiveltern" (Weber, 1995, S. 74).

Hellinger warnt also einerseits davor, dass Paare ein Kind adoptieren, um eigene seelische Probleme damit zu lösen (z.B. das Adoptivkind als Ersatz für ein eigenes gestorbenes Kind). Andererseits verlieren seiner Erfahrung nach die leiblichen Eltern durch die Weggabe des Kindes ihre Rechte als Eltern (z.B. das Recht darauf, dass das Kind ihnen einen dauerhaften Platz in seinem Herzen einräumt). Er vergleicht die Adoption mit einer Abtreibung in dem Sinne, dass die Eltern dem Kind keinen Platz in ihrem Leben einräumen und es nicht haben wollten. Der Unterschied zur Abtreibung ist aber auch zu beachten: das Kind blieb am Leben und darf das Leben von seinen Eltern nehmen und sie als seine Eltern achten – wie immer sie sind.

Ein "So-tun-als-ob-Spiel“ bringt also Adoptiveltern wie Kinder in schwierige Lagen: Die Lebenslüge der Adoptiveltern - "Das ist unser eigenes Kind!" - schwächt sie, weil sie ihre Energien damit vergeuden, diese Lüge glaubhaft zu machen. Das Kind erhält dadurch leicht Macht über seine Adoptiveltern und es drohen Machtkämpfe, bei denen beide Seiten nur verlieren können.

Dem adoptierten Kind muss also die Hinwendung zu seinen leiblichen Eltern ohne schlechtes Gewissen möglich sein. Ihm müssen seine leiblichen Eltern zugemutet werden, damit es selbst sehen kann, was es von diesen Eltern erhalten hat - v.a. sein Leben - und was ihm diese Eltern nicht gegeben haben und auch zukünftig nicht geben werden (Nahrung, ein Zuhause, Zärtlichkeiten, Halt ...). Erst auf der Grundlage der dadurch gewonnenen Einsicht über seine sozialen Wurzeln kann es sich von illusorischen Vorstellungen über seine Herkunft, lösen. Es gewinnt erst durch diese Hinwendung Eigenständigkeit und kann sich ohne Angst auf eine Beziehung mit seinen sozialen Eltern jenseits seines leiblichen Ursprungs einlassen. Sonst werden Konflikte mit den Adoptionseltern seine Neigung verstärken, die Ursachen darin zu suchen, dass diese nicht seine wirklichen Eltern seien, und zu einer grundsätzlichen Ablehnung der Adoptiveltern führen. Das Kind wird damit völlig haltlos.

 

Folgen für die Adoptionsvermittlung.- Wie bereits erwähnt, könnte die systemische Sichtweise auch in der Adoptionsvermittlung helfen, die sich nach moderner Auffassung nicht mehr nur darauf beschränkt, für ein Kind Adoptiveltern zu suchen und auszuwählen, sondern die als Prozess der Unterstützung, Begleitung und Beratung von leiblichen Eltern, Adoptiveltern und Kindern zu gestalten ist. Der Blick für das, was hilfreich und notwendig ist für alle Beteiligten würde sich dann weiten: „Eines der Hauptprobleme bei der Adoption ist, dass man eine ganz enge Sicht hat. Man sieht zum Beispiel nur die Mutter und das Kind. Dass da auch Großeltern sind und Onkeln und Tanten, die man angehen könnte, das wird außer acht gelassen. Das ist auch wichtig für die, die mit Adoptionen zu tun haben und das vermitteln. Oft nehmen die das auch nicht in den Blick, dass das Kind in ein großes System eingebettet ist, und dass dieses System auch Halt gibt und geben kann, wenn es angesprochen wird.“ (Hellinger, 1998, S. 81)

Adoptionsberatung ist ein komplexer psychosozialer Vorgang, der in unterschiedlichen Phasen unterschiedlich gestaltet werden muss (Beratung der abgebenden Eltern, Beratung der adoptionswilligen Eltern, Beratungen nach der Adoption, Vermittlerfunktion zwischen den Parteien, Hilfestellung für jugendliche Adoptierte bei der Suche nach ihren Wurzeln, Nachbetreuung der Eltern ...). Biologische wie soziale Eltern, sowie die Adoptierten in ihren verschiedenen Entwicklungsphasen bedürfen in vielen Fällen einer professionellen Beratung und weiterer Unterstützung. Bestehende Konzepte in der Adoptionsvermittlung müssen daher immer wieder neu überdacht und fortentwickelt werden.

Weil die Adoption einen solch massiven und - wie ich vermute - oft traumatisierenden Eingriff in das Eltern-Kind-Verhältnis darstellt, stellt sich schließlich auch die Frage, ob nicht die Beschränkung auf das Pflegeverhältnis die gleichen oder sogar bessere Dienste leistet wie eine Adoption. „Daher ist es viel leichter, wenn Kinder nur in Pflege gegeben werden, als wenn sie gleich zu Adoption freigegeben werden.“ (Hellinger, 1998, S. 114) Möglicherweise bleiben dadurch alle Beteiligten in ihrer Seele freier und demütiger gegenüber den tieferen Kräften des Lebens.

 

Literatur:

Bayerisches Landesjugendamt (Hrsg.). (1987). Offene Formen des Adoption - Lockerung des Inkognitos. München: o.V. .

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Ebertz, B. (1987). Adoption als Identitätsproblem. Zur Bewältigung der Trennung von biologischer Herkunft und sozialer Zugehörigkeit. Freiburg: Lambertus.

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Hellinger, B. (1998). Haltet mich, dass ich am Leben bleibe. Lösungen für Adoptierte. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag.

Hoksbergen, R. A. & Textor, M. R. (1993). Adoption - Grundlagen, Vermittlung, Fachbetreuung, Beratung. Freiburg: Lambertus.

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Grimm, G. (1993). Die begleitende Beratung von Adoptierten und ihre Bezugspersonen im Jahre 1992 inHamburg. In R. Bott (Hrsg.), Adoptierte auf der Suche nach ihrer Herkunft. (S. 60-77). Gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle Hamburg: o.V. .

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Knoll, K. D. & Rehn, U. L. (1985). Adoption. Studie über Adoptionserfolg und psychosoziale Integration von Adoptierten. Nürnberg: Diakonisches Werk.

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Mahler, M. , Pine, F. & Bergmann, A. (1980). Die psychische Geburt des Menschen. Symbiose und Individuation. Frankfurt/M. : Fischer.

Marx, A. (1993). Perspektiven der internationalen Adoption. Frankfurt/M.: Verlag für Standesamtswesen.

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